Ich wollte schon immer ein eigenes Haus haben, sparte eifrig, und es kam der Tag, an dem ich feststellte, dass es nun eigentlich finanzierbar war. So begann das Abenteuer Haus und ich fand heraus, wohin einer kommt, wenn er geht, um abseits der Zwänge einer Mietwohnung ungewohnt wohnsinnige Freiheit zu entdecken.
Wir suchten eine Weile, fanden nichts, und der Markt wurde zu der
Zeit immer enger. So befasste ich mich mit Zwangsversteigerungen (Ebay
hatte zu der Zeit noch keine Immobilien) und
ersteigerte eins, was recht aufregend war
(
3... 2... 1... meins!).
Während der nötigen Sanierung wuchs die Erfahrung (
Warum umbauen statt neu bauen?)
und inspiriert von Möglichkeiten, die sich aus den neu erlernten
Fähigkeiten ergaben, entdeckte ich, wieviel Vergnügen Design und
Innenarchitektur mir machten. Daraus entstanden endlose Extrawünsche,
die wesentlich über das nötige Maß hinaus gingen. Manch einer meint,
ich übertreibe. Quark. Wir bauen jetzt seit sechs Jahren und was
als Notwendigkeit begann, ist inzwischen Hobby geworden.
Anfänglich machte der Muskelkater uns denken, dass wir Großes leisteten, weil ich morgens vor Schmerzen kaum aus dem Bett kam. Was für ein Irrtum. Die ersten zwei Monate waren wirklich hart, weil ich bis dahin nur Insbürogeher war. Zeitweise konnte ich erst zwei Stunden nach dem Aufstehen die Hand wieder zur Faust schließen. Aber das gab sich alles und nach vielleicht einem halben Jahr ging die Arbeit leichter von der Hand.
Wie sich zeigte, war ein Austausch der Wasserrohre angesagt, darum bekam das Haus komplett neue Rohre aus Kunststoff. Die Fallrohre wurden ebenfalls ausgetauscht. Das war richtig teuer, weil wir das lieber fachkundig machen ließen und ein Installateur immer Unmengen an Werkzeug braucht. Man kann hier etwas sparen, wenn man ihm Stemm- und Putzarbeiten abnimmt.
Die alten Fenster waren teilweise nur einfach verglast, und die vorhandene Isolierverglasung war schon etwas blind, hatte keine Dichtungen in den Rahmen und überhaupt waren die alten Holzfenster energietechnisch schon lange nicht mehr Stand der Technik. Darum wurden neue Fenster fällig. Die Fensterbänke außen waren überwiegend gerissen und stark verwittert, so dass wir sie gegen Fensterbänke aus dunklem Granit ersetzten, was viel hübscher als der alte belgische Granit aussah. Innen ersetzten wir die Fensterbänke durch welche aus weißem Marmor: Sehr anfällig für Kratzer, aber auch sehr schön. Die Rolladenkästen wurden isoliert und die Rolläden ersetzt, wobei wir uns für die großen Rolladen elektrische Antriebe gönnten.
An der Elektrik wurde nie etwas modernisiert -
wir holten 35 Jahre nach.
Ein vernetztes Haus ist nicht futuristisch, sondern sinnvoll.
Ich baute eine
strukturierte
Verkabelung mit Cat5e und Sat-TV-Leitung.
Einmal Rohbau und zurück:
Unsere Küche.
Wir rissen die Wand zwischen Bad und WC ein, um ein größeres Bad zu erhalten. Dazu mußten Wasser, Abwasser, Strom und Heizung komplett neu gebaut werden. Dazu gab es neuen Estrich mit einer bodengleichen Dusche und Fussbodenerwärmung.
Das WC wurde in den ehemaligen Duschraum verlegt. Wasser, Abwasser, Strom und Heizung wurden komplett neu gebaut. Der Spülkasten fand Platz in einer aufwändigen Vorwandinstallation, die über Eck gebaut, mit Nischen und einem diagonalen Abschluß versehen wurde, damit das WC nicht so langweilig wie andernorts üblich ausfiel. Und schließlich gab es auch hier neuen Estrich mit Fußbodenerwärmung.
Im Wohnzimmer ließen wir das Parkett, was sich unter zig Schichten altem Bodenbelag zeigte, abschleifen und neu versiegeln, und legten Strom mehr oder weniger komplett neu.
Im Schlafzimmer ließen wir ebenfalls das Parkett, was sich auch hier unter zig Schichten altem Bodenbelag zeigte, abschleifen und neu versiegeln, und legten Strom komplett neu, wobei wir eine eigene Sicherung benutzten und den Einbau eines Netzabkopplers vorbereiteten.
Die Trennwand zwischen den Kinderzimmern kam weg, wir verbanden die Estrichplatten, mauerten eine überflüssige Tür zu und bauten dafür in den Flur beleuchtete Wandnischen ein. So entstand Alexandras Zimmer.
Im Keller bauten wir einen
Serverraum.
Auch die Waschmachine bekam ihren Raum: Die neue
Waschküche.
Das Dach über dem Kopf sah einst bessere Zeiten. Ich lernte viel über
Dächer und die Sanierung war
das größte Projekt.
Im Gäste-WC wurde der Abfluss näher an die Wand verlegt. Die vorhandene Strominstallation wurde komplett entfernt und ganz anders neu gebaut.
Der alte Flur war öde, die Ausziehtreppe zum Speicher nervig: Das Treppenhaus soll um eine richtige Treppe zum Dachgeschoß erweitert werden, wozu eine Dachgaube benötigt wurde.
Schon ganz schön viel bis jetzt, aber: Da fehlt noch einiges.
Luxus beginnt an dem Punkt, von dem viele mit Berechtigung meinen, dass es für die Meisten gut genug sei. Ich sage nicht, wie viele Arbeitsstunden mich alles von der Planung bis zur Fertigstellung kostete, aber ich bin froh, es kompromisslos verfolgt zu haben.
Die Heizungsanlage wies ein paar Fehler auf. Die wurden alle beseitigt
und etlicher Komfort dazu eingebaut: Vor- und Rücklaufthermometer,
Entlüftungen, diverse Absperrventile, mehr Heizkörper und die größte
Regelung, die Junkers für Einfamilienhäuser anbietet. Die Heizungsrohre
wurden vom Vorbesitzer über Putz verlegt, was für mich untragbar war, und
mit viel Aufwand geändert wurde. Die vorhandenen Nischen, ursprünglich
für Nachtspeicheröfen gebaut und viel zu tief, wurden teilweise vermauert,
damit die Luft besser durch die Heizkörper zirkulieren konnte und weniger
Wärme nach außen verloren ging. Die zentrale Verteilung wurde komplett
neu gebaut, weil der Rohrdurchmesser zu klein war, so daß wir danach im Schnitt
mit 20 Grad weniger Vorlauftemperatur auskamen. Das war das erste Projekt,
was rein aus Umweltschutzgründen durchgeführt wurde, denn obwohl es natürlich
Energie einsparte, wird es sich trotzdem finanziell nie amortisieren.
Der Dachumbau war das zweite Projekt:
Energiebedarf, Umweltschutz und all das.
Während der ganzen Zeit habe ich viel im Web gelesen und gelernt. Sehr hilfreich waren diverse Erfahrungsberichte, darum schreibe ich hier auch einen. Den ein oder anderen mag es ermutigen, ähnliche Projekte anzugehen, oder zu sehen, dass es bei anderen Leuten auch lang dauert. Und schließlich kann man sich selbst die Frage beantworten: Was haben wir all die Zeit eigentlich gemacht?