Ich wollte schon immer ein eigenes Haus haben, sparte eifrig, und es kam der Tag, an dem ich feststellte, dass es nun eigentlich finanzierbar war. So begann das Abenteuer Haus und ich fand heraus, wohin einer kommt, wenn er geht, um abseits der Zwänge einer Mietwohnung ungewohnt wohnsinnige Freiheit zu entdecken.
Während der nötigen Sanierung wuchs die Erfahrung (
Warum umbauen statt neu bauen?)
und inspiriert von Möglichkeiten, die sich aus den neu erlernten
Fähigkeiten ergaben, entdeckte ich, wieviel Vergnügen Design und
Innenarchitektur mir machten. Daraus entstanden endlose Extrawünsche,
die wesentlich über das nötige Maß hinaus gingen. Manch einer meint,
ich übertreibe: Quark. Wir bauen jetzt seit neun Jahren um und was
als Notwendigkeit begann, ist inzwischen Hobby geworden.
Anfänglich machte der Muskelkater uns glauben, dass wir Großes leisteten, weil ich morgens vor Schmerzen kaum aus dem Bett kam. Was für ein Irrtum. Die ersten zwei Monate waren wirklich hart, weil ich bis dahin nur Insbürogeher war. Zeitweise konnte ich erst zwei Stunden nach dem Aufstehen die Hand wieder zur Faust schließen. Aber das gab sich alles und nach vielleicht einem halben Jahr ging die Arbeit leichter von der Hand.
Wie sich zeigte, war ein Austausch der Wasserrohre angesagt, darum bekam das Haus komplett neue Rohre aus Mehrschichtverbundrohr. Die Fallrohre wurden ebenfalls ausgetauscht. Das war richtig teuer, weil wir das lieber fachkundig machen ließen und ein Installateur immer Unmengen an Werkzeug braucht. Man kann hier etwas sparen, wenn man ihm Stemm- und Putzarbeiten abnimmt.
Die alten Fenster waren teilweise nur einfach verglast, und die vorhandene Isolierverglasung war schon etwas blind, hatte keine Dichtungen in den Rahmen und überhaupt waren die alten Holzfenster energietechnisch schon lange nicht mehr Stand der Technik. Darum wurden neue Fenster fällig. Die Fensterbänke außen waren überwiegend gerissen und stark verwittert, so dass wir sie gegen Fensterbänke aus dunklem Granit ersetzten, was viel hübscher als der alte belgische Granit aussah. Innen ersetzten wir die Fensterbänke durch welche aus weißem Marmor: Sehr anfällig für Kratzer, aber auch sehr schön. Die Rolladenkästen wurden isoliert und die Rolläden ersetzt, wobei wir uns für die großen Rolladen elektrische Antriebe gönnten und in die restlichen Kästen schon Strom legten.
An der Elektrik wurde nie etwas modernisiert -
wir holten 35 Jahre nach.
Ein vernetztes Haus ist nicht futuristisch, sondern sinnvoll.
Ich baute eine
strukturierte
Verkabelung mit Cat5e und Sat-TV-Leitung.
Einmal Rohbau und zurück:
Unsere Küche.
Ein Totalumbau: Aus getrennten Räumen für Dusche, WC und Bad wurden
Bad und WC.
Im Gäste-WC wurde die gesamte Installation von Wasser, Abwasser und Strom
entfernt und ein komplett neues
Gäste-WC eingebaut.
Im Wohnzimmer ließen wir das Parkett, was sich unter zig Schichten altem Bodenbelag zeigte, abschleifen und neu versiegeln, und legten Strom mehr oder weniger komplett neu.
Im Schlafzimmer ließen wir ebenfalls das Parkett, was sich auch hier unter zig Schichten altem Bodenbelag zeigte, abschleifen und neu versiegeln, und legten Strom komplett neu.
Die Trennwand zwischen den Kinderzimmern kam weg, wir verbanden die Estrichplatten, mauerten eine überflüssige Tür zu und bauten dafür in den Flur beleuchtete Wandnischen ein. So entstand Alexandras Zimmer.
Im Keller bauten wir einen
Serverraum.
Auch die Waschmachine bekam ihren Raum: Die neue
Waschküche.
Das Dach über dem Kopf sah einst bessere Zeiten. Ich lernte viel über
Dächer und die Sanierung war
das größte Projekt.
Der alte Flur war öde, die Ausziehtreppe zum Speicher nervig: Das Treppenhaus soll um eine richtige Treppe zum Dachgeschoß erweitert werden, wozu eine Dachgaube benötigt wurde.
Schon ganz schön viel bis jetzt, aber: Da fehlt noch einiges.
Luxus beginnt an dem Punkt, von dem viele mit Berechtigung meinen, dass es für die Meisten gut genug sei. Ich sage nicht, wie viele Arbeitsstunden mich alles von der Planung bis zur Fertigstellung kostete, aber ich bin froh, es kompromisslos verfolgt zu haben.
Ursprünglich wollte ich nur die Heizkosten senken, aber je mehr ich mich damit befasste, desto mehr stellte ich fest, dass es mir nicht nur um Geld ging.
Die Heizungsanlage wies ein paar Fehler auf. Die wurden alle beseitigt
und etlicher Komfort dazu eingebaut: Vor- und Rücklaufthermometer,
Entlüftungen, diverse Absperrventile, mehr Heizkörper und die
größte Regelung, die Junkers für Einfamilienhäuser anbietet.
Die Heizungsrohre wurden vom Vorbesitzer ungedämmt über Putz verlegt,
was für mich untragbar war, und mit viel Aufwand geändert wurde.
Die vorhandenen Nischen, ursprünglich für Nachtspeicheröfen gebaut
und viel zu tief, wurden teilweise vermauert, damit die Luft besser
durch die Heizkörper zirkulieren konnte und weniger Wärme nach außen
verloren ging. Die zentrale Verteilung wurde komplett neu gebaut, weil
der Rohrdurchmesser zu klein war, so daß wir danach im Schnitt mit 20
Grad weniger Vorlauftemperatur auskamen. Das war das erste Projekt, was
rein aus Umweltschutzgründen durchgeführt wurde, denn obwohl es natürlich
Energie einsparte, wird es sich trotzdem finanziell nie amortisieren.
Der Dachumbau war das zweite Projekt:
Energiebedarf, Umweltschutz und all das.
Während der ganzen Zeit habe ich viel im Web gelesen und gelernt. Sehr hilfreich waren diverse Erfahrungsberichte, darum schreibe ich hier auch einen. Den ein oder anderen mag es ermutigen, ähnliche Projekte anzugehen, oder zu sehen, dass es bei anderen Leuten auch lang dauert. Und schließlich kann man sich selbst die Frage beantworten: Was haben wir all die Zeit eigentlich gemacht?