moria.de Michael's homepage Unser Haus Sanieren oder neu bauen?

Sanieren oder neu bauen?

Das ist wahrscheinlich die meistgestellte Frage, verbunden mit der Feststellung, dass neu bauen billiger sei und umbauen immer nur eine Kompromisslösung ergibt. Ist das so?

Selbst denken oder schlampig planen lassen

Bei einem Neubau hat man zwar alle Freiheiten, aber eben deswegen ist man ohne entsprechende Aus- oder wenigstens Vorbildung überfordert, diese Freiheit zu nutzen. Am Sprichwort "Das erste Haus baut man für einen Feind, das Zweite für einen Freund und das Dritte für sich selbst" ist viel Wahres dran. Die Planungsarbeit in fachkundige Hände abzugeben, ist sehr teuer, und schafft die für Outsourcing typischen Kommunikationsprobleme. Fachleute können Detailfragen beantworten, aber die strategischen Entscheidungen nicht abnehmen.

Wer umbaut, kann sich nacheinander mit allen möglichen Themen befassen, darum sehr viel selbst planen und dabei vor Ort direkt schauen, was geht und was nicht.

Um es ganz klar zu sagen: Die Kompetenz vieler Fachleute ist so gering, dass man als mäßig intelligenter Mensch den Durchschnitt auf jeden Fall schlagen kann, wenn man sich die Zeit nimmt, viel zu lesen. Was früher wortwörtlich Handwerk war und mit den Händen geleistet wurde, wird heutzutage wissenschaftlich fundiert verstanden und bräuchte zur Fachplanung eigentlich ein Ingenieurbüro, weil die Chancen gut stehen, dass der ausführende Meister nach dreißigjähriger Berufserfahrung mit der Fortbildung im Hintertreffen ist und der theoretische Unterbau seiner Arbeit von fragwürdiger Substanz ist. Wer lesen kann, dem hilft Google, diese Lücke zu schließen. Man kann kein Ingenieurbüro ersetzen, aber ein Einfamilienhaus versteht man durchaus.

Heizungsplanung nach Augenmaß ohne jegliche Zahlen, Elektroplanung ohne Berechnung oder Struktur, eng gebaute Rohre ohne Einplanung der Dämmung, Bau von thermischen Solaranlagen entgegen der anerkannten Regeln der Technik, geflieste Duschen ohne Abdichtungsebene - Alltag im Neubau.

Freilich investiert man Freizeit, aber bekommt ein vielseitiges Hobbyprojekt und ein Ergebnis, was man gar nicht oder nur schwer hätte bezahlen können, weil richtig gute Fachleute richtig teuer sind - falls man überhaupt das Glück hat, welche zu finden.

Materialkosten

Handwerker kaufen Material bei ihren Lieblingslieferanten und sehen das Geld als "durchlaufenden Posten", während dem Bauherren das Geld einfach davonläuft. Freilich kostet die Suche nach guten Händlern Zeit, spart aber teilweise einen erheblichen Teil der Materialkosten bei besserer Qualität. Zudem kann man gelegentlich günstig Restposten erwerben. Preisunterschiede von einem Drittel oder mehr sind bei gleicher Ware keine Seltenheit.

Flexible Finanzierung

Umbauen ist weiterhin gut, wenn der Bestand nur mit viel Geld in dieser Form neu zu erstellen wäre und in wichtigen Elementen erhalten bleiben soll. Die Änderungen kann man teilweise verschieben und so von neu angesparten Geld bezahlen, statt sie alle sofort zu finanzieren und darauf Zinsen zahlen zu müssen. Und sollte ein finanzieller Engpass bestehen, steht der Umbau still, aber man hat wenigstens keine hohen Kreditraten zu bedienen.

Bei einem Umbau beginnt man meist mit einem funktionsfähigen Haus und kann viel Eigenleistung in Planung und Ausführung erbringen, wofür bei einem Neubau einfach keine Zeit ist, wenn man noch Miete zahlen muss. Ein neu zu bauendes Haus wird fertig gebaut und muss dann auch gleich fertig bezahlt werden. Wer ein paar Jahre später arbeitslos wird, muß das teure Bad immer noch abbezahlen, auch wenn er jetzt lieber ein altes Bad hätte, dessen Sanierung er vor sich herschiebt.

Neu bauen

Neu bauen ist dann billiger, wenn der Bau zügig vonstatten geht und die Planung sich weitgehend auf eine Auswahl aus fertigen Konzepten beschränkt - oder man zufällig selbst vom Fach ist. Wem es genügt, aus ein paar Vorschlägen auszuwählen, und wer sich mit Hausbau nicht beschäftigen möchte, der sollte neu bauen oder ein eher neuwertiges Haus kaufen, was so bleiben kann, wie es ist.

Bauen im Bestand ist immer mit Risiken verbunden. Überraschungen kosten Zeit, Nerven und meist auch Geld. Ein Neubau ist definitiv planbarer als ein Umbau. Die gleiche Ausbauarbeit ist bei einem Rohbau billiger als bei einem bestehenden Gebäude. Wer ein altes Gebäude sieht, hat vielleicht eine Vorstellung vom Ergebnis, denkt an den Charme der alten Architektur, aber dringt gedanklich meist nicht tiefer als die Tapete in das Gebäude ein, z.B. ins Innere einer Wand, die laut Umbauplan entfernt werden soll, aber beim Abriß eine unerwartete Leitung preisgibt, die nun verlegt werden muss. Die allermeisten Probleme sind lösbar, nur versauen solche Überraschungen jeden Plan. Wird mit schlechter oder unpassender Substanz begonnen, kann ein Umbau sehr leicht erheblich teurer als ein Abriß und Neubau werden.

Was gibt das bessere Ergebnis?

Ist ein Umbau nur ein Kompromiss? Das wird oft gesagt, und es stimmt. Neu zu bauen ist leider auch ein Kompromiss; kein Haus ist perfekt. Es gibt immer ein paar Dinge, die man nicht zu tragbaren Kosten wie gewünscht bekommen kann, und ein paar Dinge, die vergessen oder falsch geplant werden, egal ob man um- oder neu baut.

Es lernt der Mensch, so lange er lebt, und wer arbeitet, macht Fehler. Rückblickend hätte ich Manches anders gebaut, und genau das höre ich auch von den Bauherren mit Neubauprojekten. Wer gründlich nachdenkt, sich entscheidet, und dabei einen Fehler macht, der erst nach Abschluss der Arbeit sichtbar wird, hat nichts zu bereuen und mehr geleistet, als jemand, der aus Angst einen Fehler zu machen, gar nichts bewegt.