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Bad und WC

Das Bad war noch original von 1970 und sollte von Grund auf neu gebaut werden. Aber wie? In drei winzigen Räumen waren nebeneinander Bad, WC und Dusche untergebracht. Schnell stand fest: Aus Bad und WC sollte ein Raum werden (7,6 statt 5,9 Quadratmeter), und aus dem vorherigen Duschraum das räumlich getrennte, neue WC. Ich wollte auf jeden Fall einen Whirlpool und eine bodengleiche Dusche haben, dazu zwei vollwertige Waschplätze, und im Bad noch eine kleine Sitzbank, statt immer auf dem Wannenrand zu hocken. Und natürlich sollte das Bad nach 15 Jahren Mietwohnungen ein Traumbad mit ansprechender Atmosphäre werden. Es gab nur ein kleines Problem.

Wie entwirft man ein Traumbad?

Man kann über Hundert Hefte Wohnzeitschriften lesen, und kommt der Antwort kaum näher. Man kann sich einen Innenarchitekten für Baddesign holen. Ich schaute mir diverse Referenzarbeiten im Web an und las, was die Leute zu sagen hatten: Nicht viel. Für ihre Preise hätte ich inspirierende Einblicke in den Schöpfungsprozess erwartet, Konsequenz im Entwurf und Begeisterung. Statt dessen dachte ich angesichts der spärlich beschriebenen Bilder nur: Da wäre mehr drin gewesen. Schließlich fiel auf, dass allein die Mischung zueinander passender Materialien zwar stets angenehm, aber nie herausstechend schön, sondern von Beliebigkeit geprägt war. Besser wurde es, wenn ein klarer Stil verfolgt und durch stilistisch zueinander passende Materialien und Formen umgesetzt wurde. Träumt man von Stilen? Nein, ein Traum ist ein Gedanke, er weckt Assoziationen, und alles in einem Traum wird durch den Grundgedanken begründet. Der Gedanke begründet den Stil, und damit Formen und Materialien, und die stoffliche Gesamtheit assoziiert wieder den Gedanken, den Traum - also braucht ein Traumbad zu allererst einen Traum.

Traum und Realität

Und damit war klar: Keine Wohnzeitschrift würde helfen, also weg mit den Kartons. Welcher Gedanke sollte das Bad beherrschen, was entspannt, schafft Wohlbehagen und inspiriert? Die Antwort kann nur individuell sein und meine persönliche Antwort ist außerirdisch: Die Ruhe des Sternenlichts, von der hektischen Kurzlebigkeit menschlicher Gedanken weit entfernt, der abstrakt farblos mineralischen Oberfläche des Mondes unter schwarzem Himmel, der Weite des Weltraums überhaupt. Wie konnte das umgesetzt werden, welcher Stil reflektierte diese Idee? Bücher über die NASA, den Mond und Bilder von Sternwarten studierend, beeindruckte der Minimalismus der Bilder. Klare, puristische Formen, Abwesenheit von Grundfarben, allenfalls in farbiges Licht getauchte Formen und immer wieder dominantes, kontrastverstärkendes, kristallklares Schwarz und funkelndes Sternenlicht. Das war's!

Nun mussten die Visualisierung des Gedankens und das Bad noch zusammen finden. Beim Entwurf eines Bades geht es nicht darum, wo man welche Sanitärgegenstände unterbringt - es geht darum, wo man auf welche Weise Wasser inszeniert. Die Installation ist nur Mittel zum Zweck, das Medium Wasser örtlich zu präsentieren und nutzbar zu machen. Fließendes Wasser und Licht bilden eine Einheit ewiger Faszination, und mit klar definierten und reinen Farben, deren Kontrast durch Schwarz noch verstärkt wird, wird daraus mysthisch fließendes Licht. Das traf den visuellen Eindruck vieler Bilder des tiefen Weltraums, ein Bad in diesem fließendem, erlebbarem Licht als tägliches Ritual: Eindeutig ein Traum. Wasser und Licht mussten also unbedingt verbunden und der fließende Charakter betont werden.

Vom Konzept zum Plan

Wie baut man aus 7,6 Quadratmetern ein Bad, wenn der Raum noch dazu nicht rechteckig ist? Ich brütete lange über Kopien des Grundrisses, skizzierte Ideen und verwarf sie wieder, bis ich eine Anordnung fand, die nicht gequetscht wirkte. Das getrennte WC sollte die Linie des Bads fortsetzen und einen zum Bad identischen Waschplatz bieten. Viele Leute waren verwundert, dass ich das WC mit dem gleichen Aufwand baute, es sei doch nur ein WC. Ja, aber muss es deswegen langweilig sein?

Während des gesamten Umbaus des Hauses dachte ich immer wieder über die Umsetzung des Konzepts nach. Lange Gold Galaxy Star Granit favorisierend, störte mich daran doch immer die Empfindlichkeit eines Natursteins und der gelbliche Grundton. Sternenlicht ist weiß. Zudem zeigten Experimente, dass das Glitzern aus der Entfernung kaum noch wahrnehmbar war. Schließlich fand sich das geeignete Material: Starlight Black Quarzkomposit, ein Kunststein, rein schwarz mit einem klaren Funkeln durch eingebettete Spiegelsplitter. Mit dem Boden hatte ich auch arge Probleme. Mondboden ist titangrau und staubig, er wirkt nur im Sonnenlicht weiß, weil Staub in hellem Licht immer weiß wirkt. Man kann keinen Staub in die Dusche kippen, also sollte Naturstein her, felsig, hell - titangrau oder weiß? Die Vorstellung von grauem Boden und schwarzen Wänden war nicht gut, zudem fand sich in dem Farbton auch nichts. Schließlich entschied ich mich für weißes Flußkieselmosaik, weil es unempfindlich und rutschfest sein sollte, und felsiger ging es nicht.

Ein Bad soll manchmal zum Aufwachen hell sein, und manchmal entspannend dämmerig. Man kommt nicht umhin, die Beleuchtung in Grund- und Akzentleuchten aufzuteilen - der klassische einteilige Lichtschalter wird keinem Bad gerecht. Dazu sah ich getrennt schaltbare LED-Akzentleuchten in Bodennähe und als Downlights in Wandnischen vor, deren reine Farben von keiner Glühlampe erreicht werden. Leuchtfliesen wären fantastisch gewesen, waren aber schlicht unbezahlbar teuer. Die Entscheidung für eine Farbe war zu schwer, aber da ich sowieso keine LED-Leuchten fand, die mir gefielen und darum Halogenleuchten umbauen wollte, konnte ich auch gleich zwei Farben zur Auswahl einbauen. Die Wahl fiel auf rot und blau, zusammen lila. Runde Leuchten sind bei Fliesen ein Albtraum, darum suchte ich Quadratische aus.

Innovatives Design und konservative Technik

Seit der ISH 2005 war mir klar: Hansacanyon von Hansa lag genau auf meiner Linie; damals wusste ich nur noch nicht, warum. Anfang 2007 schafften wir es, den Wasserhahn in einer Ausstellung live in Betrieb zu sehen und die Werbung von Hansa ist absolut realistisch. Dennoch begnügt sich der Wasserhahn mit normalen Anschlüssen. Als ich die Armatur montierte, zeigten sich allerdings zwei Mängel: Das Netzteil pfeift leise und die Armatur ist nicht 100% rechtwinklig, sondern leicht schief. Unfassbar, bei dem Preis. Hansa verweist auf den Händler und nimmt keine Stellung zu den Mängeln - schlecht für mich, weil die Armatur bei mir ewig herumlag, bis ich sie einbaute.

Nach aller Mühe wäre ein normales Wand-WC ein frevelhafter Bruch im Design. Philippe Starck, ein Designer, der sich über Konventionen hinwegsetzt, hat in Zusammenarbeit mit Duravit einige einzigartige Stücke wie die Edition X geschaffen. Im Handel typischerweise nicht anzutreffen, sah ich nicht ein, den Fachhandelspreis zu zahlen und bestellte das WC zu einem günstigeren, aber immer noch obszön hohen Preis im Internet. Nie wieder Duravit! Die Passgenauigkeit war ein schlechter Scherz, der sich auch bei zwei Vorführmodellen, die ich später mal in verschiedenen Ausstellungen im Fachhandel fand, zeigte. Eine Anfrage bei Duravit blieb ergebnislos. Wäre nicht das Design, hätte ich den Kauf rückgängig gemacht.

Egal, was man kauft, es wird irgendwann kaputt gehen und was für immer halten soll, muss zu reparieren sein. Damit schieden Unterputzlösungen direkt aus: Wollte oder musste man da den Hersteller wechseln, wäre stemmen angesagt. Was auch immer verbaut werden sollte, es musste herstellerübergreifend austauschbar sein. Ich bin nämlich nicht Krösus, und muss das Bad noch lange abbezahlen, da sind Systemwechsel in den nächsten Jahren unbedingt zu vermeiden, und Hersteller können schneller verschwinden, als man denkt. Bei unserem harten Wasser sind Defekte durchaus zu erwarten.

Wäre ich reich, hätte ich ein größeres Bad und mich als Dusche für Rainsky von Dornbracht entschieden. Schon lange durch innovatives Design auffallend, hat Dornbracht es geschafft, das Erlebnis Wasser grundlegend neu zu inszenieren, und von einer Szenerie muss man bei der dynamischen Verbindung der Elemente Wasser, Licht und Duft schon sprechen. Kurz vor Ende des Umbaus erfuhr ich von dem System und war begeistert, weil Entwurf und Verwirklichung genau meine Vorstellungen von der Entwicklung guten Baddesigns trafen, wie der Webauftritt und Berichte von der ISH 2007 zeigten. Leider ist die Technik teurer als das ganze Bad zusammen, und sie fragt zudem nach mehr Platz, vom Wasserverbrauch ganz zu schweigen. Wer sich das leisten kann, braucht sich um Geld und herstellerübergreifende Anschlüsse keine Gedanken mehr zu machen. Dornbracht schaffte damit einen Schritt in eine völlig neue Welt von Bädern; das ist nicht Technik, sondern Kunst.

Zurück zur Realität, und die war, dass die Dusche mir lange Rätsel aufgab. Eigentlich wollte ich die Brausestange an den Wandvorsprüngen befestigen, deswegen baute ich die extra aus Beton. Schließlich gefiel es mir die Idee doch nicht mehr, und ich entschied, sie an die Wand zu verlegen, weil sich zeigte, dass Stange und Armatur zusammen einfach ungünstig platziert wären und der Brausekopf auch bei Wandbefestigung noch an der gleichen Stelle wäre. Alexandra und ich kannten von früher nur kleine Duschköpfe und fragten uns, ob Regenduschen wirklich so viel netter wären. Kurzentschlossen kauften wir für das alte Bad einen billigen großen Brausekopf und als er nach einem halben Jahr kaputtging, holten wir ohne zu fragen wieder einen und beschlossen, im neuen Bad auf jeden Fall eine Regendusche einzubauen. Die richtig großen Brauseköpfe waren aber zu schwer für Gleiter und mussten fest montiert werden, was Unterputzarmaturen erforderte. Bei der Produktsuche stieß ich dann auf Raindance von Hansgrohe und die Beschreibung begeisterte mich: Tropfen statt Strahlen durch Zumischung von Luft. Noch besser war, dass es eine Aufputzlösung für eine fest montierte Kopfbrause mit separater Handbrause gab, und das mit nur einem Schlauch und ohne Umsteller (Showerpipe Connect). Ausrichtbare Halogenspots über der Dusche sollte die Tropfen anstrahlen.

Ich entschied mich beim Whirlpool für eine Wanne von Sanibay, einer kleineren Firma, die selbst fertigt, weil man so im Vergleich zu den großen Marken viel sparen konnte. Die technische Beratung war exzellent, die Beratung beim Aufbau auch, und die Lösung einer verfliest entfernbaren Schürze sehr klug. Der Unterwasserspot kostete allerdings ein Vermögen, sah aber bei der Vorführung eines gefüllten Whirlpools so schön wie vermutet aus.

Weil ich kalte Füße hasse, wurde in den Estrich, der sowieso neu erstellt werden musste, gleich eine Fußbodenheizung für Bad und WC gelegt. Die elektronische Regelung hätte ich mir sparen können, naja, hinterher ist man immer schlauer. Bei der Planung des WCs stieß ich schnell auf die Vorwandtechnik, eine geniale Idee, um Spülkasten und allerlei sonst verschwinden zu lassen.

Der Umbau

Der Bauaufwand war definitiv astronomisch: Aus drei Räumen zwei machen, alles rausreißen und die gesamte Installation von Grund auf neu bauen, um ein individuelles Konzept umzusetzen - weg mit 1970, hin zur Ewigkeit, wenigstens insofern, dass ich eher ein anderes Haus kaufen, als das Bad nochmal ändern würde.

Die Umsetzung des Konzeptes funktionierte ganz wunderbar, das Bad hat für mich eine sehr entspannende Stimmung und eine Dusche in flüssigem Licht auf felsigem, warmem Boden vor Sternenhintergrund ist wunderbar. Die teure Brause ist jeden Euro wert und ich kann sie nur empfehlen - die Werbung von Hansgrohe hält, was sie verspricht.

Hier die ganze Geschichte in Bildern: Das Bad und das WC.