moria.de Michael's home page Unser Haus Das Dach

Das Dach

Kurz nach dem Einzug programmierte ich die Heizungssteuerung und senkte so den Verbrauch deutlich, aber die Energiekosten waren trotzdem immer noch irrsinnig hoch und der Grund sonnenklar: Unser Dach. Es war teilweise ausgebaut, auch nur teilweise gedämmt, und die Dämmung absolut falsch ausgeführt. Zum Glück war die Unterspannbahn so hinüber, dass es wie Hechtsuppe zog und die Feuchtigkeit in der Dämmung nur die Unterspannbahn ein wenig schimmeln ließ, anstatt noch mehr Schaden anzurichten. Eins war klar: Der Dachausbau und die Dämmung mussten weg bis auf den nackten Dachstuhl. Und dann?

Der Dach(t)raum

Der bestehende Dachstuhl war kompliziert, krumm und schief, hatte aber seinen Charme. Seit jeher faszinierten mich Modernisierungen von Dachgeschossen, die nicht den Charakter dieser Etage aufgaben und sie in normalen Wohnraum verwandelten. So beschloß ich, die Sparren grob anzuschleifen, mit Fasebrettern von außen einzuschalen und das ganze mit offenporigem Wachs weiß zu streichen - bei einem komplizierteren Dachstuhl war eine Aufdachdämmung sowieso zu empfehlen. Es sollte hell werden, aber den Charakter eines Speichers behalten. Die Aussicht aus dem Dachfenster war schön, wie wäre wohl erst die Aussicht vom höchsten Punkt aus? Ganz klar, wir wollten eine Aussichtsplattform unter dem First und Ausstiegsfenster, um nach allen Seiten einen freien Blick zu haben. Ein teilverglaster First, der seitlich verschoben werden könnte, wäre toll gewesen, war aber unbezahlbar teuer. Dafür geizte ich nicht mit Fenstern. Eine Besonderheit waren zwei motorisierte und mit Regensensor ausgestattete Fenster direkt unter dem First, um im Sommer warme Luft am höchsten Punkt des Hauses abzuführen. Trotz des Preises entschied ich mich wegen vieler Vorteile für Velux, kaufte allerdings fast alles auf Ebay.

Statisch unhaltbar

Die Berechnung der Statik ergab, dass der vorhandene Dachausbau an die Grenzen ging. Das passte mir nicht, denn Klimadiskussion hin oder her, ich rechne in den nächsten Jahrzehnten mit schlimmeren Stürmen, d.h. mit höherer Windlast. Ursprünglich gab die Berechnung der Sparren Anlaß zur Sorge, bis ich feststellte, dass die längeren Sparren auch dicker waren. In einem Dachstuhl verschiedene Sparren für verschiedene Anforderungen? Ungewöhnlich, aber so war es. Die Berechnung zeigte weiter, dass beim Bau geschlampt und eine Stütze vergessen und eine andere beim Ausbau entfernt worden war, obwohl beide statisch notwendig waren. Aber in der Realität trägt ein Dachstuhl normalerweise viel mehr, als die Statik aussagt, weil das statische Modell die Realität vereinfacht. Bei uns hielt es so 38 Jahre. Ich wollte allerdings eine Konstruktion haben, deren Tragfähigkeit statisch nachweisbar war, weil das auch praktisch viele Vorteile hat, darum musste der Dachstuhl entsprechend der Berechnungen verstärkt werden.

Ein Plan entsteht

Es gibt viele Arten von Dächern, alle verschieden, also was nehmen?

Ich las viel über Bauphysik und Bauschäden, bis ich mich für folgenden Dachaufbau entschied: Aufdachdämmung mit 18mm Fasebrettern, 15mm OSB-Platten, Delta Reflex Dampfsperre, 160mm diffusionsoffene Dämmplatten aus PUR, Delta Maxx Unterspannbahn, 40x60mm Konterlattung und 30x50mm Traglattung. Das ist insgesamt ein Aufbau mit konventionellem Diffusionsverhalten, weil ich mich an keine moderne, variabel diffusionsoffene Konstruktion traute. In der Wahl der Dampfsperre machte ich einen Fehler, weil Dörken nirgendwo schreibt, dass die Reflektionseigenschaft nur bei einem Luftpolster auf der verspiegelten Seite funktioniert, d.h. nur in seltenen Einbausituationen. Für mich knapp am Betrug vorbei, insbesondere, weil Dörken angibt, dass alle Dampfsperren auch für Aufdachdämmung geeignet wären, dort aber die spezifischen Vorteile von Delta Reflex garantiert nicht vorhanden sind. Rein mechanisch ist es allerdings eine super Folie, die sich toll verarbeiten läßt.

Mehr als 33mm Holzmasse gab die Statik nicht her, aber besser als nichts zum sommerlichen Wärmeschutz. Die engmaschige Verschraubung der OSB-Platten mit den Sparren ergab eine sehr stabile Kontruktion, zudem ist OSB halbwegs diffusionsdicht, also direkt an der Dampfsperre gut aufgehoben. Profilholz atmet dagegen, was gut für die Luftfeuchtigkeit im Raum ist, und traf optisch genau das Konzept.

Die Realität

Zum Glück wusste vorher keiner, wie lange der Umbau dauern würde. Sehr schnell war dagegen klar, wie verschieden die Preise verschiedener Dachdecker sind, und dass man sich als Kunde das Material besser selbst besorgt, um nicht je nach Baustoff 30-90% mehr zu bezahlen. Anders wäre der Umbau finanziell nicht möglich gewesen.

Und das Ergebnis? Statt 4000 Kubikmetern Gas nur noch 2600 in der nächsten Heizsaison, es zog im Haus nicht mehr, es war warm, und als der Sommer kam, blieb es unter dem Dach angenehm kühl, trotz all der Fenster, die noch keine Rolladen hatten. Die Masse reichte zusammen mit dem innenliegenden Dachstuhl und den Firstfenstern zum sommerlichen Wärmeschutz, welch ein Glück!

Hier die ganze Geschichte in Bildern: Das Dach.