Nach viel Rechnen fing alles damit an: Fußhölzer für Stützen, ein
freundliches Geschenk unserer Nachbarn, die das Holz noch von ihrem
Dachstuhl übrig hatten.
Für ein zünftiges Opferritual brauchte ich dann noch einen Wagenheber
und eine Hilfsstütze, und Sonne, die den Speicher in einen Backofen
verwandelte. Erstaunlich, wie leicht man ein Dach etwas anheben kann,
wenn es gegen Abheben nur durch sein Eigengewicht gesichert ist.
Beim ersten Mal war es noch spannend, hinterher Routine: Alte Stütze
ausbauen, Lot fällen, Fußholz verankern, neue Stütze einbauen.
Die Erbauer entfernten beim Ausbau des Speichers eine Stütze, was an
der Stelle sehr schön aussah, aber die Pfette statisch überlastete.
Wir rechneten es nach und der Zimmermann verstärkte die Pfette - nun
war es auch rechnerisch in Ordnung. Ich war sehr froh, einen Mehrfeldträger
nicht von Hand berechnen zu müssen, denn mit Software konnte man alles
hin und herschieben, bis es nett wirkte und immer sehen, ob es noch
tragfähig war.
Es gab auf dem Speicher einen Träger, der den Sturz der
Wohnzimmertür darunter entlasten sollte, aber flächig auflag und die Kraft
nur durchleitete. Wir rechneten und die Statik erlaubte auch 5 IPE80
nebeneinander, die im Bodenaufaufbau verschwinden würden.
Aber die musste ich erstmal entrosten und streichen - mehr Arbeit
als gedacht.
Beim Nachmessen fanden wir heraus, dass sich der alte Träger 47 cm neben der
Wand befand, obwohl unter dem Estrich noch die korrekten,
etwas knapp bemessenen, Auflagerpunkte angezeichnet waren.
Das neue Päckchen wurde verschweißt, die Schweißstellen
wurden noch überpinselt und alles dann an der richtigen Stelle eingebaut.
Eine Denkaufgabe: Wieviel länger muss man die Stütze machen, damit der
Träger sich so durchbiegt, dass die Pfette anschließend in der gleichen
Position wie vorher liegt? Man kann es nicht ausrechnen, weil nicht
bekannt ist, wieviel Last wirklich auf der Stütze liegt, sondern nur,
wieviel es sein könnte, wenn der Rest der Dachkonstruktion nicht mit
tragen würde. Tut er aber, so rechneten und schätzten wir, und einigten
uns auf 3mm. Laut Nivelliergerät war die Pfette anschließend 1mm höher
als vorher - gut genug.
Damit war das Dach statisch in Ordnung. Wer hätte gedacht, dass es das all die Jahre nicht war.