moria.de Michael's homepage Unser Haus Dach Umbau Teil 2

Opfergaben für den Altar der Statik

Nach viel Rechnen fing alles damit an: Fußhölzer für Stützen, ein freundliches Geschenk unserer Nachbarn, die das Holz noch von ihrem Dachstuhl übrig hatten.


Für ein zünftiges Opferritual brauchte ich dann noch einen Wagenheber und eine Hilfsstütze, und Sonne, die den Speicher in einen Backofen verwandelte. Erstaunlich, wie leicht man ein Dach etwas anheben kann, wenn es gegen Abheben nur durch sein Eigengewicht gesichert ist. Beim ersten Mal war es noch spannend, hinterher Routine: Alte Stütze ausbauen, Lot fällen, Fußholz verankern, neue Stütze einbauen.


Die Erbauer entfernten beim Ausbau des Speichers eine Stütze, was an der Stelle sehr schön aussah, aber die Pfette statisch überlastete. Wir rechneten es nach und der Zimmermann verstärkte die Pfette - nun war es auch rechnerisch in Ordnung. Ich war sehr froh, einen Mehrfeldträger nicht von Hand berechnen zu müssen, denn mit Software konnte man alles hin und herschieben, bis es nett wirkte und immer sehen, ob es noch tragfähig war.


Es gab auf dem Speicher einen Träger, der den Sturz der Wohnzimmertür darunter entlasten sollte, aber flächig auflag und die Kraft nur durchleitete. Wir rechneten und die Statik erlaubte auch 5 IPE80 nebeneinander, die im Bodenaufaufbau verschwinden würden. Aber die musste ich erstmal entrosten und streichen - mehr Arbeit als gedacht.


Beim Nachmessen fanden wir heraus, dass sich der alte Träger 47 cm neben der Wand befand, obwohl unter dem Estrich noch die korrekten, etwas knapp bemessenen, Auflagerpunkte angezeichnet waren. Das neue Päckchen wurde verschweißt, die Schweißstellen wurden noch überpinselt und alles dann an der richtigen Stelle eingebaut.


Eine Denkaufgabe: Wieviel länger muss man die Stütze machen, damit der Träger sich so durchbiegt, dass die Pfette anschließend in der gleichen Position wie vorher liegt? Man kann es nicht ausrechnen, weil nicht bekannt ist, wieviel Last wirklich auf der Stütze liegt, sondern nur, wieviel es sein könnte, wenn der Rest der Dachkonstruktion nicht mit tragen würde. Tut er aber, so rechneten und schätzten wir, und einigten uns auf 3mm. Laut Nivelliergerät war die Pfette anschließend 1mm höher als vorher - gut genug.


Damit war das Dach statisch in Ordnung. Wer hätte gedacht, dass es das all die Jahre nicht war.

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