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Die Elektroinstallation

Viele Leute haben keine Ahnung von der Elektroinstallation, und überlassen diese Aufgabe Elektrikern, die zwar in der Regel fachgerecht arbeiten, aber oft trotzdem keine sinnvolle Installation abliefern. Man muss sich also selbst mit dem Thema befassen, um zu wissen, was man beauftragen sollte. Viele Elektriker sehen das übrigens grundlegend anders, wie ich aus diversen Beschimpfungen aufgrund dieser Seite weiß, die mir nahelegen, den lebensgefährlichen Mist zu entfernen. Für Hinweise auf sachliche Fehler bin ich stets dankbar, allein darauf warte ich trotz Nachfrage bis heute.

Ich weiß nicht, welcher Dämon den Elektriker beim Bau des Hauses trieb, aber 7 kleine Unterverteilungen aller Generationen waren einfach zu viel. Vorbildlich war allein die Installation der ehemaligen Nachtspeicheröfen, die nie entfernt wurde. Das hatte alles keinen Sinn, also raus mit allen Verteilungen und neu bauen, wobei die Hauptverteilung zweimal gebaut wurde, denn der erste Elektriker arbeitete nur fachgerecht, und nicht mal das vollständig, und sonst... das hatten wir ja gerade. Steckdosen und Schalter installierte ich aus Kostengründen selbst, den Anschluss an die Verteilung überließ ich dem Fachmann.

Aufbau der Verteilung

Die Installation in einem normalen Einfamilienhaus besteht aus mehreren Teilen:

Der Hausanschluss: Um den kümmert sich der Energieversorger, und wenn der zufrieden ist, kann man selbst auch zufrieden sein und ihn so lassen, auch wenn er antik aussieht.

Die Hauptverteilung: Das sind die Hauptsicherungen, der Verbrauchszähler, sinnvollerweise Blitzstrom-Ableiter mit Entkopplungsdrosseln (wenn benötigt), und die Vorsicherungen der Unterverteilungen, wegen der Auslösecharakteristik als Schmelzsicherungen ausgeführt. Es gibt keinen Grund, sich mit der Hauptverteilung das Erdgeschoss zu verschandeln, also ab in den Keller damit. Eigentlich sollte die Hauptverteilung verplombt werden, aber viele Energieversorger sehen das heutzutage nicht mehr so eng.

Die Unterverteilungen: Ein oder mehrere FI-Schalter, diverse Sicherungsautomaten und die Überspannungsableiter. In einem Einfamilienhaus sollte man mehr als eine Unterverteilung haben, z.B. eine Unterverteilung für den Wohnbereich und eine für den Keller, damit nicht immer gleich alles abgeschaltet wird, wenn es ein Problem gibt. Zudem spart es mächtig Leitung, wenn nicht alles zur zentralen Hausverteilung gehen muss. Bei einer alten Hausinstallation wurden gerne viele Leitungen zusammengefasst, um Sicherungen zu sparen. Abgesehen von den Herstellervorgaben zur maximalen Anzahl der verklemmten Leiter ist es auch Blödsinn, denn die Automaten sind heutzutage sehr günstig. Ich trennte alles auf und stand damit schon sehr gut da. Und schließlich sollten ein paar Sicherungsautomaten eingebaut werden, die frei für bisher vergessene Dinge bleiben. Es gibt Klingeltrafos zum Einbau in Verteilungen, die nicht teurer als hässliche Aufputz-Modelle sind und jede Menge wundervolles Spielzeug sonst - aber immer auf das VDE-Zeichen achten. Erstaunlicherweise wird auch Material verkauft, was dieses Zeichen berechtigterweise nie bekommen wird, z.B. viele Netzabkoppler. Eine Ausnahme sind Zwischenstromzähler, die EN 61036 erfüllen und aus irgendeinem Grund nie ein VDE-Zeichen haben, wenn sie nicht uralt sind.

Blitzstrom-Ableiter, Entkopplungsdrosseln (braucht man bei manchen Systemen, wenn Haupt- und Unterverteilungen sehr nah zusammen liegen) und Überspannungsschutz sind auf Ebay sehr günstig von Händlern zu beziehen. Im Fachhandel vor Ort ist es dagegen fast unbezahlbar. Ich habe das Programm von Dehn verbaut, und zwar in der Hauptverteilung DEHNbloc (Blitzstrom-Ableiter) mit DEHNbridge (Entkopplungsdrossel 63A) und in den Unterverteilungen jeweils DEHNguard (Überspannungsschutz). Mit diesem Grob- und Mittelschutz ist ein Feinschutz in Form von Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz erst richtig sinnvoll. Leider gibt es Blitze, die stinksauer über soviel Vorsicht sind, und ihren Zorn mit einem direkten Einschlag entladen. So ein Direkteinschlag kostete uns die Kaminspitze und der Impuls tötete diverse Geräte, die teilweise nicht einmal eingesteckt waren, wobei der Geräteschaden laut Gutachter erstaunlich gering war - vermutlich wegen der Ableiter. Für etwas waren sie also doch gut.

So ein wunderbar modularer Aufbau muss dann nur noch klar beschriftet werden. Das macht man am Besten selbst, wenn es ordentlich werden soll.

Steckdosen und Leitungen im Haus

Selbstverständlich muss jede Veränderung der Elektrik von einem Elektriker abgenommen werden, und weil das kaum einer macht, gibt es auch so viele Bücher, wie man alles selbst richtig baut. Hier ein paar Tipps:

Die goldene Regel: Wenn man NYM-Leitung (rund und grau) nehmen darf, nimmt man sie auch. NYIF (Stegleitung, eine braun-beige Flachleitung) ist ein scheussliches Zeug, nur unter Putz zulässig, mit zig weiteren Auflagen zur fachgerechtung Verwendung, aber leider manchmal unvermeidlich. Insbesondere hat es nichts auf brennbarem Untergrund, z.B. im Dachstuhl, verloren.

Elektriker arbeiten gerne nach Faustregeln, z.B. dass 1,5 qmm mit 16A abgesichert wird. In Wahrheit gibt es etliche Einschränkungen, z.B. Leitungslänge und Verlegungsart. Dabei wird sehr gerne die Temperatur vernachlässigt, obwohl diese erheblichen Einfluss auf die Lebensdauer von PVC-ummantelten Leitungen hat. Faktisch hat man bei 1,5 qmm eher selten den Fall, mit 16A absichern zu können und endet im EFH meist bei 13A, oder muss auf 2,5 qmm ausweichen. Es gibt im Netz Rechner für diese Dinge.

Lüsterklemmen gehören maximal an Lampenanschlüsse, aber nicht in Verteilerdosen, und auf Litzenenden von Lampen werden Aderendhülsen aufgepresst, wenn sie in Lüsterklemmen enden müssen. Die Alternative ist die Klemmenserie 222 von Wago, die Litzen ohne Aderendhülsen und feste Leiter sicher verbindet. In Verteilerdosen gehören moderne Steckklemmen, die sicherer und auch wartungsfreundlicher sind, während sich die alten Schraubklemmen mit den Jahren lockern und im Extremfall einen Brand verursachen können (2 Dosen zeigten nach dem Öffnen Verschmorungen, zum Glück nicht mehr).

Und alles, aber auch wirklich restlos alles, wird mit Schutzleiter gebaut. Klassische Nullung, weil irgendwer zu faul war, genug Adern zu legen, ist keine Lösung. Ein FI-Schalter ist kein Ersatz für den Schutzleiter! Apropos zu wenig Adern: Grüngelb hat Schutzerde und sonst nichts zu sein, und das über die ganze Länge des Leiters.

In der Küche sind mehrere einzeln abgesicherte Stromkreise sinnvoll, wenn Wasserkocher und Spülmaschine keine unheilvolle Allianz bilden sollen. In der Waschküche sollte jedes Gerät seine eigene Sicherung haben.

Die Leitung vom Klingeltrafo zum Taster und zur Klingel sollte wenigstens dreiadrig ausgeführt werden, um die Installation eines beleuchteten Klingelschilds oder einer elektronischen Klingel zu vereinfachen. Mehr Adern sind nicht verboten.

Die Außensteckdosen sollten über einen eigenen FI-Schalter laufen. Wenn sie am gleichen FI-Schalter wie Kühl- oder Gefrierschrank hängen, kann man selbige von außen stromlos machen. Der Lausbube freut sich, den heimkehrenden Urlauber erwartet eine große Schweinerei.

Im ganzen Haus bauten wir um die 75 Steck-, Schalter- und Verteilerdosen zusätzlich oder im Austausch ein. Steckdosen und Schalter sind im normalen Handel richtig teuer, darum ist es sehr lohnend, gleich ganze Sortimente aus Insolvenzmasse auf Ebay zu kaufen. Hände weg von billigem Noname-Material, oder man flucht schon bei der Installation. Die einzuputzenden Dosen holt man am besten netzweise aus dem Baumarkt, denn die Verbinder ändern sich manchmal und passen dann nicht zueinander, wenn man alte und neue Dosen zusammen stecken möchte.

Wenn man schon Schlitze für Leitungen stemmt, gibt es eine Menge Dreck. Dann kann man auch noch etwas mehr Dreck machen, und gleich Dosen und Leitungen für die Rolladenkästen (4x1,5 qmm oder 5x1,5 qmm von der Dose zum Kasten) legen. Die elektrischen Antriebe sind zwar sehr teuer, aber wer will schon wieder das halbe Haus aufstemmen, wenn er sich irgendwann doch für einen entscheidet.

Außerdem lohnt es sich, im Bad unter der Wanne einen extra Potentialausgleichsanschluß mit wenigstens 6 qmm zu bauen, dazu noch eine wassergeschützte Verteilerdose 30 cm über dem Fußboden und idealerweise vom Lichtschalter aus mit einem allpoligen Schalter schaltbar - sollte man je einen Whirlpool wollen. Schließlich sind Steckdosen in der Nähe des Wasseranschlusses unter Waschbecken fein, wenn man eine elektronische Armatur haben möchte, z.B. eine Sensorarmatur für das Gäste-WC.

Irgendwo im Haus sollte ein einzeln abgesicherter 3x16 A Drehstromanschluss hin, wobei der ruhig mit Sicherungsautomaten abgesichert werden kann. Den braucht man zwar selten, aber man braucht ihn mit Sicherheit irgendwann. Und wenn man schon dabei ist: Noch seltener braucht man einen 3x32 A Drehstromanschluss mit Schmelzsicherungen, aber es ist ärgerlich, wenn Handwerker danach fragen und man keinen hat, zumal die Anschlussdose sehr günstig ist. Besagte Handwerker freuen sich, wenn die Steckdosen dann noch mit einem Rechts-Drehfeld beschaltet sind. Zum Glück hat mich noch keiner nach einem Plasmaleitungsanschluss gemäß den Föderations-Richtlinien der Sternenflotte gefragt. Die gibt es nicht bei Obi, aber vermutlich können da Ebay-Händler helfen, die auch gebrauchte Klingonenkreuzer verkaufen. Nächstes Jahr.

Erdung

Ich wusste, dass Erdung wichtig ist, vor allem für den Antennenmast auf dem Dach, aber ich wusste nichts über die Details und beauftragte leider kurz nach dem Kauf einen Elektriker. Die grün-gelbe Leitung sah nett aus, ich bezahlte ihn, und war guter Dinge. Vertraue niemand! Die Wahrheit ist: Kaum ein Antennenmast im Lande ist geerdet, es wurde nur in der Regel vom Bauherrn bezahlt. Blödheit der Elektriker oder gezielter Betrug, wenn es ordentlich gemacht werden soll, muss man es selbst machen.

Spannung ist Potentialunterschied, und Potentialausgleich vermeidet diesen. Ohne Spannung kein Strom, also baut man eine Potentialausgleichsschiene und schließt da die diversen grün-gelben Leiter an, die kleinen Querschnitte als massive Leiter, 16 qmm als mehrdrähtige Leitung, damit man bei der Verlegung nicht mehr flucht als ohnehin schon. Zudem wird der Fundamenterder angeschlossen, und damit hat keinen Potentialunterschied mehr und ist sicher. Ab der Potentialausgleichsschiene ist es jedoch keine Erdung mehr, sondern wirklich nur noch Potentialausgleich! In Deutschland ist das TNC-S Netz sehr beliebt, bei dem der Energieversorger einem auch einen PEN-Leiter liefert - aber auch der ist keine Erdungsleitung.

Der Fundamenterder an der Potentialausgleichsschiene ist meist ein Flachstahl und damit eine typische Erdungsleitung: Eindrähtig, d.h. massiv, großer Querschnitt und senkrecht auf kürzestem Wege nach unten verlaufend. Alles sonst ist nur noch Potentialausgleich, aber keine Erdung mehr, es sei denn, es ist Vollmaterial und verläuft auf kürzestem Wege nach oben. Und wenn zehn Elektriker das abstreiten - es ist so (die würden auch glatt die Existenz der VDE 0855-1 anzweifeln). Grün-gelb mehrdrähtig quer durch das Haus und um alle Ecken ist keine Erdung, 16 qmm hin oder her. Zum Glück macht das nichts, weil man im Haus auch gar keine Erdung, sondern Potenzialausgleich braucht.

Nur so ein Antennenmast, der muss nicht nur stets in den Potentialausgleich einbezogen werden, sondern zusätzlich auch geerdet werden, sofern er nicht gegen Blitzeinschlag geschützt ist. Den Schutz hat man automatisch an bestimmten Stellen rund um das Haus, also spricht viel dafür, den Mast in diese durch das Haus geschützte Zone zu bauen, d.h. nicht auf das Dach. Wenn das nicht geht, tritt Plan B in Kraft: Erden. Schön wäre nun, wenn der Fundamenterder draußen direkt unter dem Antennenmast eine Anschlusslasche hätte. Üblicherweise denkt aber beim Bau niemand daran, also braucht man einen extra Erder und eine extra Erdungsleitung außerhalb des Gebäudes, und der extra Erder muß ebenfalls noch in den Potentialausgleich einbezogen werden - eine Riesenaktion, aber nötig. Wenn man das allerdings schon alles macht, dann kann man auch noch ein wenig drauf legen, und statt den Mast zu erden eine geerdete Fangstange anbringen und damit normalen Blitzschutz nach VDE-0185 bauen lassen, und zwar von einem zertifizierten Unternehmen, das die Vorschriften korrekt umsetzt. Sinnvollerweise wird alles aus Edelstahl gebaut, damit es auch ein paar Jahrzehnte hält, besonders der Tiefenerder.

Oder man lässt es einfach, was egal ist, solange der Blitz nicht einschlägt, und statt den Erdungsleiter zu benutzen den Dachstuhl in Brand steckt, an dem der Antennenmast angebracht ist, was die Versicherung dann vielleicht nicht bezahlt, weil der Mast fahrlässigerweise nicht nach VDE 0855-1 geerdet war. Der Umbau war eine Menge Arbeit, also kommt das für mich nicht in Frage. Die Rechnung des Betriebs, der den Antennenmast an den Potentialausgleich anschloss und es für Erdung hielt, hilft nach einem Schaden niemand mehr.

Ein kleiner Tipp für Bauherren von Neubauten, die ein Faible für gute Haustechnik haben: Ein feuchtigkeitsgeschütztes oder gedämmtes Fundament sollte trotzdem einen Fundamenterder kriegen, nicht zur Erdung, sondern zur Potentialsteuerung. Rund um das Haus wird ein Ringerder (V4A-Flachstahl) verlegt, was dank der Baugrube kein Thema ist, und die zwei Erder werden verbunden. Diese Luxusausstattung ist beim Neubau kein Problem, später aber nicht bezahlbar nachzurüsten, und eine super Grundlage, sollte jemals Blitzschutz gewünscht werden.

Es ist heute nicht mehr in Mode, längere Texte zu lesen. Glückwunsch, wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, hoffentlich war es hilfreich.

Hier der ganze Umbau in Bildern.