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Wo ist die Toilette?

Die Frage wird selten freiwillig gestellt. Wie richtet man also eine Gästetoilette so ein, dass sie keinen Grund für die übliche Zurückhaltung liefert? Ausnahmsweise gab das Web wenig her, außer der Erkenntnis, dass andere Leute auch keine Antwort haben, die über die platzsparende Installation von WC und Waschbecken hinausgeht.

Vielleicht hilft es, die Frage anders zu formulieren. Wer geht gerne auf ein fremdes WC? Der heimlich prüfende Blick hofft, keine Verschmutzung zu entdecken, und scheut sich, genau hinzuschauen. Ob der Schlüssel klemmt? Nicht abschließen? Doch, klar, und natürlich knirscht und klemmt er, weil er selten benutzt wird. Kinderbilder, selbst gebastelte Dekoration, oder gar zerlesene Bücher zeigen beim intimen Geschäft deutlich: Hier gehört man nicht hin, ist fremd. Ach, wäre jetzt das stille Örtchen eines stilvollen Hotels willkommen, mit genug Privatsphäre, um sich nicht zu fragen, was man vor der Tür hört, wenn man innen gut versteht, was draußen vor sich geht. Alles erledigt und kein Toilettenpapier - Schränke öffnen, hoffentlich nichts entdecken was der Gast nicht sehen sollte, und vielleicht Ersatz finden, oder sich mit Taschentüchern behelfen? Wenn es nur nicht so stinken würde... Jetzt braucht es nur noch einen Wasserhahn, den schon etliche nasse Hände abstellten, um zu bestätigen, nach Möglichkeit bloß keine fremde Toilette aufzusuchen.

Eine Gästetoilette wird spezifisch für Fremde gestaltet, nicht für den Gastgeber, darum darf man sich zur Überwindung der Denkblockade nicht fragen, wie man die eigene Gästetoilette gerne hätte, sondern muss sich fragen, was einem selbst woanders gefallen würde. Die private Toilette im Hotel ist willkommen, weil sie genau das ausdrückt: Sie ist für Gäste des Hauses da und für niemand sonst, und darum gibt es dort keine persönlichen Gegenstände des Inhabers.

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Das geht soweit, dass der persönliche Kerngedanke, der z.B. hinter dem Konzept eines Bades steht, hier eben nicht persönlich sein soll. Niemand spricht von einer Traumgästetoilette, denn es ist kein Ort zum Träumen, und damit genau entgegengesetzt zu einem privaten Bad. Wichtige Konzepte sind neutrale Eleganz, Unaufdringlichkeit und Anonymität, keine emotionale Ansprache. Der Stil Cosmopolitan erfüllt diese Ansprüche. Um Rick Mulligan zu zitieren: "Cosmopolitan ist ein Statement der totalen Eleganz. Hier haben wir die Analogie zum Mercedes-Fahrer, der etwas Ordentliches haben will, was aber nicht allzu außergewöhnlich ist." Auf seiner ehemaligen Webseite hat er das wunderbar präsentiert, ansonsten findet man allerdings wenig zu dem Stichwort. Hilfreich sind internationale Webseiten ausgehend von den Suchworten "contemporary bathroom design".

Abgesehen vom mentalen Anspruch gibt es sehr praktische Anforderungen: Hygiene ist oberstes Gebot, die Toilette muss nicht nur sauber, sondern sichtbar sauber sein, d.h. das Material muss jegliche Verschmutzungen klar zeigen, dementsprechend leicht zu reinigen sein, und auch so aussehen. Was berührt wird, muss sich angenehm, glatt, trocken und hygienisch anfühlen. Enge Spalte, z.B. am Spiegel, sind schwer zu reinigen und werden unbewusst auch so wahrgenommen. Eine unzureichende oder schattenwerfende Beleuchtung vermittelt keinen hygienischen Eindruck, besser ist eine weiche Allgemeinbeleuchtung. Frauen sind dankbar für einen großen, gut beleuchteten Spiegel. Nach 10 Gästen ist kein Handtuch mehr trocken, darum ist hier ein Tuchspender gefragt und natürlich ein Abfalleimer, der dem nächsten Gast nicht präsentiert, was der Vorige loswerden wollte. Auch Seife wird besser im Spender angeboten. Wie sinnvoll ist es, mit den Händen einen Wasserhahn zu bedienen, sie zu waschen, und ihn direkt danach wieder anzufassen? Im medizinischen Bereich bedient man derlei Dinge mit dem Ellbogen, im Gäste-WC ist die Lösung eine Sensorarmatur. Schließlich ist eine Lüftung sinnvoll, die den Geruch dort absaugt, wo er entsteht: Im WC. Das funktioniert mit jedem WC, wenn die Absaugung an das Spülrohr angeschlossen wird, wie es z.B. von Geberit als extra Ausstattung zum Unterputzspülkasten UP320 angeboten wird. Und schließlich ist ein WC-Schloss an der Tür angenehm.

Die Umsetzung

Die Beleuchtung gab mir in der Planung Rätsel auf, weil der Raum sehr klein war. Schließlich entschied ich mich für ein Deckensegel, dessen Rand beleuchtet wurde und so den Raum flächig indirekt erhellte, und Halogenspots am Spiegel, die in die abgehängte Decke integriert wurden. Das Ergebnis war Licht statt Leuchten, d.h. die Technik trat in den Hintergrund.

Zurückhaltende, natürliche, erdige Farben bestimmen den Raum, kombiniert mit unaufdringlichem geschliffenem Edelstahl. Ein Lichtschalter außen vor dem Raum, dort wo man ihn erwartet, schaltet alles inklusive der Spiegelbeleuchtung.

Hier die ganze Geschichte in Bildern.