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Die Netzwerkinstallation

Nicht jeder betreibt so ein Netzwerk wie ich, aber der Kabelsalat von Internet- und Telefontechnik ist genau so unschön wie ein langes Telefonkabel. Und wenn es sicher sein soll, hinterläßt drahtlose Verbindungstechnik irgendwie ein schlechtes Gefühl. Dem Ergebnis nach haben viele Elektriker und leider auch viele Systemhäuser keine Ahnung, wie die Netzwerkinstallation sinnvollerweise gestaltet werden soll, darum gilt auch hier: Man muss sich selbst mit dem Thema befassen.

1970 war ein analoger Doppelanschluss schierer Luxus, aber genau den schien es ursprünglich gegeben zu haben. Über die Jahre wurde ISDN daraus und die Leitungsinstallation war völlig chaotisch, also weg damit. Bei der Sanierung der Dämmung fand sich ein vergammelter und sicher längst vergessener Umschalter unter Mineralwolle. Ich wollte eine komplette strukturierte Verkabelung für Telefon und Netzwerk haben, d.h. einen kleinen Verteilerschrank im Keller und sternförmig Kabel aus allen Teilen des Hauses dorthin. Jedes Zimmer sollte wenigstens eine, teilweise auch mehrere Doppeldosen bekommen, und jede Leitung sollte wahlweise für Telefon oder Ethernet nutzbar sein.

Genau so wurde es gebaut, und ich würde es wieder so machen, aber teilweise noch mehr Dosen setzen und einen noch größeren Verteilerschrank nehmen. Der Aufwand war vertretbar, der Preis lächerlich gering, und die völlige Freiheit, was man eben mal wo anschließen kann, einfach herrlich.

Die feste Installation

Die Installation besteht aus mehreren Teilen:

Der Telefonanschluss: Egal, was man vom Anbieter bekommt, es muss den Weg zum Verteilerschrank finden. Bei einem Neuanschluss würde ich fragen, ob man als Übergabepunkt eine LSA+-Trennleiste bekommen könnte, und dort direkt den Überspannungsschutz (DEHNrapid LSA) installieren. Bei einem bestehenden Anschluss kann man aber auch alles im Verteilerschrank unterbringen.

Der Verteilerschrank: Hier bietet sich ein kleiner und günstiger Wandschrank an, wie sie auf Ebay zu Hauf zu bekommen sind. Ich begann mit 7 HE (Höheneinheiten) und baute später auf 12 um, aber noch mehr wäre auch kein Fehler, nur ging das nicht mehr. In diesem Schrank laufen alle Leitungen zusammen und werden auf Patchfelder aufgelegt. Patchkabel stellen dann die benötigten Verbindungen her. Das Auflegewerkzeug sollte von Krone sein, auch wenn es etwas mehr kostet, denn das billige Zeug taugt nur für gelegentliche Arbeiten. Es ist wichtig, die Leitungen nicht unnötig aufzudrillen, auch wenn es den Anschluss vereinfachen würde, denn die Signalqualität würde leiden. Der Schrank gehört übrigens mit dem Potentialausgleich verbunden.

Die Leitungen: Viele Leute legen jeweils ein Netzwerkkabel und ein Telefonkabel zu einer Dose. Das spart ein paar Cent, hat aber große Nachteile. Besser verlegt man nur Netzwerkkabel, denn darüber kann auch Telefon laufen. In der Wand wird Installationskabel mit massiven Adern verlegt. Litze kann man nicht sicher auf Patchfelder auflegen, auch wenn es oft versucht wird. Die Leitungen enden in Patchfeldern oder Dosen, keinesfalls wird direkt ein Stecker aufgequetscht. Und auf gar keinen Fall werden die Adern gekreuzt, um Kreuzkabel zu sparen. Ein Abisolierwerkzeug mit einstellbarer Kabeldicke ist hilfreich und prüft man die Leitung mit einem billigen Leitungstester mit LEDs, spart man sich später viel Theater. Die Frage des Leitungsmaterials muss jeder selbst beantworten. Ich wählte Cat 5e, weil damit Ethernet mit bis zu 1 Gbit/s geht und zur Not kann man ja auch zwei Leitungen koppeln, um noch mehr zu bekommen. Cat 6 und besonders Cat 7 sind richtig teuer, grauenhaft zu verbauen und will man viel mehr als 1 Gbit/s (mit Patchfeldern), braucht man eh Glasfasern.

Die Dosen: Perfektionismus ist eine Sache, wenigstens 20 EUR pro Dose, nur um Dosen des sonst benutzten Schalterprogramms zu haben, eine Andere. Also baute ich die Dosen halt in Fußhöhe und vorwiegend in Ecken, dann merkt niemand, dass billige Dosen benutzt wurden. Achtung: Viele Dosen passen nicht in die üblichen 60mm-Unterputzdosen. Jahre nach dem Umbau erfuhr ich von den Elektronikdosen von Kaiser, eine perfekte Lösung zu einem happigen Preis. Seinerzeit putzte ich 68mm-Hohlwanddosen ein, was leidlich ging. Beim nächsten Mal würde ich vielleicht etwas teurere Dosen nehmen und dazu gleich passende Einputzdosen bestellen. Nach dem Test wird jede Leitung der Dose mit Patchfeld- und Leitungsnummer beschriftet, und das auf der Dose selbst und auf der Abdeckung. Ein Verzeichnis schafft Klarheit, in welchem Raum sich was befindet.

Angeschlossene Technik

Geräte mit Ethernetanschluss kann man sofort mit handelsüblichen Patchkabeln verbinden, alles sonst braucht Adapter. Am schlimmsten sind analoge Telefone, weil jedes eine andere Belegung hat. Meine Lösung: Eine Telefonanlage mit ein paar analogen Ports, weil analoge Telefone viel billiger sind, und schon braucht jedes Telefon nur noch zwei Adern: a wird auf 4 (blau bei TIA-586a Belegung) und b auf 5 (blau-weiß bei TIA-586a Belegung) angeschlossen. Dazu nimmt man den TAE-Stecker auseinander, schaut wo a und wo b sind, und crimpt einen RJ45-Stecker auf das Kabel. Die Ports der Telefonanlage werden ebenfalls auf ein Patchfeld aufgelegt und normale Patchkabel stellen die Verbindung her.

Für serielle Leitungen hat Cisco sich einen netten Standard ausgedacht: Adapter aller Anschlüsse auf RJ45 und Patchkabel, die von Ende zu Ende um 180 Grad gedreht sind, schon läßt sich alles verbinden. Ebay hilft auch hier, diese Terminaladapter zu bekommen, und die Patchkabel kann man selbst crimpen.

Für 1-wire gibt es einen de-facto Standard, wie man durch Hin- und Rückleitung in einem Cat5 Kabel Sternverkabelung benutzt, aber elektrisch einen linearen Bus bekommt.

Hier der ganze Umbau in Bildern.