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Das Lenkrad

Rechtliche Voraussetzungen

Zunächst ein paar Hinweise (ohne Gewähr auf Korrektheit oder Vollständigkeit und auf keinen Fall rechtlich verbindlich): Die Lenkräder sind als komplettes Teil für einen speziellen Hersteller zugelassen worden und es wurde beim Einbau gemäß Sprengstoffrecht dokumentiert, in welches Fahrzeug wann welcher Airbag eingebaut wurde. Die Dokumentation wird über die Strichcodes geführt, die auf dem Airbag selbst (auf dem Gasgenerator und auf dem Luftsack) und auf dem Gehäuse des Lenkwinkelsensors aufgeführt sind.

Wenn ein Airbag aus einem Smart-Lenkrad ausgebaut wird, so fällt das der Zulassung des Lenkrades nach nicht unter Demontage (was bei den meisten anderen Lenkrädern der Fall wäre), sondern unter Zerlegen des Airbags. Dazu reicht der Nachweis der "eingeschränkten Fachkunde", die zum Handel, Ein- und Ausbau des Lenkrades usw. vorhanden sein muss nicht aus, sondern es wird ein Befähigungsschein nach §20 des Sprengstoffgesetzes benötigt (Schulung mit anschließender, staatlich anerkannter Prüfung). Weiterhin wird eine Erlaubnis nach §7 des Sprengstoffrechtes benötigt, die nur ein selbständiger Betrieb bekommt.

Selbst dann darf man lediglich den Airbag eines Lenkrads ausbauen und in das gleiche Lenkrad wieder einbauen, niemals jedoch in ein anderes Lenkrad. Alles Andere zählt als Herstellung (aus verschiedenen, nicht zusammen abgenommenen Teilen wird etwas Neues hergestellt) - und Herstellen darf man auch mit dem Befähigungsschein nicht. Aus diesem Grund gibt es den Airbag und den Lenkwinkelsensor (mit aufgeklebtem Barcode des Airbags) auch nicht als Ersatzteil zu kaufen.

Wer die entsprechenden Tätigkeiten ohne die erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen durchführt, macht sich strafbar. Dazu gehört auch der Transport ausgebauter Lenkräder mit Airbag. Davon abgesehen ist der nicht fachgerechte Umgang mit Airbags lebensgefährlich.

Wie man sieht, hat das in dieser Beschreibung zerlegte Lenkrad keinen funktionsfähigen Airbag mehr, weil dieser bei einem Unfall gezündet wurde. Aus diesem Grund wurde es von der Werkstatt ausgehändigt, nachdem ein Teil entfernt wurde.

Zerlegen des 3-Speichen-Lenkrads

Um das ausgebaute Lenkrad zu zerlegen, zieht man zunächst die Schaltwippen ab. Dann wird die hintere Verkleidung demontiert, indem man sie an allen fünf rot markierten Punkten ausklipst. Anschließend wird der Stecker des Hupenrings (rot und schwarz) gelöst, wobei das Gehäuse um die Rastnase herum mit einem Schraubendreher etwas angehoben werden muß. Schließlich wird der Hupenring ein wenig nach unten bewegt, um die blau markierten Nasen nicht zu zerstören, und an den drei grün markierten Punkten ausgeklipst:

Wenn nun noch der Stecker der Schaltwippen vom Lenkrad getrennt wird, kann man die Schalter durch Lösen der jeweils zwei T10-Schrauben entfernen und die Schaltwippen abnehmen. Darunter befinden sich zwei ausgesprochen fest angezogene T30-Schrauben, die den Airbag halten. Der Lenkwinkelsensor (LWS) ist nur auf den Kranz geklipst. Airbag und LWS sind durch die Zündleitung miteinander verbunden, die LWS-seitig verschweisst ist und nur am gelben Stecker des Airbags gelöst werden kann, indem eine Lasche am Stecker angehoben wird.

Der Lenkwinkelsensor

Der LWS enthält nicht, wie vielfach geschrieben, einen Schleifring, sondern eine Spirale aus vierpoliger Folienleitung. Zwei Adern gehen zur Airbagzündleitung und zwei Adern zu Hupe (und Schwaltwippen, wenn das Lenkrad welche hat). Die Airbagzündleitung wird im LWS durch eine Feder im Kontaktgehäuse kurzgeschlossen, sowie der Stecker am Lenkrad abgezogen wird. Die elektrischen Verhältnisse und die Risiken eines angeschlossenen oder ausgesteckten Lenkrads unterscheiden sich also wesentlich. Wenn der Airbag gezündet wird, verschmort der gelbe Stecker leider und damit ist die Spirale mit der fest verbundenen Leitung zum gelben Stecker unbrauchbar. Geht die Spirale kaputt, ist das Lenkrad ebenfalls unbrauchbar. In dem Fall leuchten vermutlich die Airbag-Warnleuchte oder Hupe und Schaltwippen arbeiten nicht mehr korrekt. Das Gehäuseunterteil mit der Spirale ist mit drei Rastnasen im Lenkradkranz eingeklipst, die in den Bildern weiter unten mit roten Pfeilen markiert sind.

Die Elektronik des LWS ist nicht mit der Airbagleitung verbunden, sondern hat einen eigenen Anschluss, so dass die defekte Elektronik eines Lenkrads mit funktionsfähigem Airbag ausgetauscht werden kann. Es gibt diese Elektronik nicht als Ersatzteil von smart, sondern nur als Überbleibsel von Lenkrädern mit defekter Spirale oder ausgelöstem Airbag. Zum Austausch verbleiben Airbag und LWS am Lenkradkranz, d.h. die Kurzschlussbrücke zur Sicherung des Zünders ist weiter aktiv. Es werden nur die vier T8-Schrauben hinten am LWS entfernt, um das Gehäuse abzunehmen. Dann wird die Lochmaske abgenommen, das Stellrad mit dem Ferritkern über den Hallsonden ausgeklipst und die Elektronik entnommen. Die Funktion dieses Stellrads ist unbekannt (im Bild sind Lochmaske und Stellrad abgenommen):

Beim Zusammenbau muss wieder die ursprüngliche Position aller beweglichen Teile hergestellt werden. Eine defekte Elektronik führt vermutlich zu einer Fehlfunktion des ESP, muss aber nicht das Ende des Lenkrads bedeuten.

Die Aussage "LWS defekt" ist zu undifferenziert, um den Restwert eines Lenkrads einzuschätzen.

Die Lenkwinkelsensoren von Zwei- und Dreispeichenlenkrädern sind identisch und können untereinander getauscht werden. Wird zwischen einem Lenkrad mit und ohne Schaltwippen getauscht, muss jedoch der Hupenanschluss angepasst werden. Lenkwinkelsensoren von Wippenlenkrädern haben eine zweipolige Buchse, in die ein Stecker zu den Mikroschaltern von Hupe und Schaltwippen eingesteckt wird (Bild vom ausgeklipsten LWS):

Lenkwinkelsensoren von wippenlosen Lenkrädern haben dagegen eine braune Leitung mit einem Flachstecker für die Masse am Lenkradkranz und eine schwarze Leitung mit einem quadratischen Buchsenkontakt für die Hupe (Bild vom eingeklipsten LWS):

Wird der Flachstecker und Buchsenkontakt abgeschnitten und die zweipolige Buchse angeschlossen, so kann ein Lenkwinkelsensor von einem Lenkrad ohne Schaltwippen in eins mit Schaltwippen umgebaut werden.

Der Airbag

So sieht die Rückseite eines Airbags nach der Zündung aus: Die Aufkleber sind braun verkohlt, der gelbe Stecker halb geschmolzen. Bei geöffnetem Stecker sieht man eine Entstörspule, die in Serie mit der Zündleitung liegt, um Störimpulse, die oft hochfrequent sind, zu unterdrücken. Umgedreht könnten magnetische Felder einen ausreichenden Zündstrom induzieren, da es keine antiparallele Spule zu geben scheint.

So sieht so ein Stecker von der Unterseite aus:

Bei Auslösung des Airbags reißen auf der Unterseite der Abdeckung Sollbruchstellen, sie verformt sich, klappt nach oben auf und der Luftsack schießt von unten hervor (um etwas zu sehen, wurde er im Bild abgeschnitten):

Aus diesem Grund ist jede Veränderung der Abdeckung abzulehnen. Dazu gehören auch Aufkleber oder Leder, oder eine Lackierung, die die Eigenschaften des Materials verändern könnte. Die Abdeckung ist nur scheinbar massiv, in Wahrheit ist sie sehr flexibel.

Die Airbags von Zwei- und Dreispeichenlenkrädern sind identisch.

Hupe und Wippen

Bei einem Lenkrad mit Schaltwippen sind die Taster von Hupe und Schaltwippen alle parallel an zwei Leitungen angeschlossen. Von der Spirale des LWS geht eine braun/schwarze Leitung zu einem Stecker, der mit dem Stecker der schwarzen Leitung der rechten Schaltwippe verbunden ist. Von dort geht eine schwarze Leitung zur linken Schaltwippe, und von dort eine grüne Leitung zu einem Stecker, der mit den Hupenschaltern (schwarz/rot) verbunden wird. Diese sitzen damit am Ende der Kette und schließen die grünen Leitungen kurz. Die Schaltwippen haben in Serie mit den Schaltern und dem Hupenkontakt Widerstände: Links 1kOhm und 2kOhm parallel = 666Ohm, rechts 8kOhm und 2kOhm parallel = 1,6kOhm. Bei Betätigung der Hupe entsteht ein Widerstand von 2,66kOhm.

Ein Leitungsbruch kann vom Fahrzeug nicht erkannt werden und korrodierte oder beschädigte Kontakte (wie z.B. teilweiser Bruch der Spiralleitung im LWS) verfälschen die Widerstandswerte. Typischerweise steigt der Widerstand und die Schaltwippen lösen dann mitunter die Hupfunktion aus.

Die Lenkräder eines smart 42 mit ESP funktionieren ohne Modifikation. Wird jedoch ein Lenkrad aus einem 42 mit ESP oder einem Roadster in einem 42 ohne ESP eingebaut, müssen die Widerstände umgelötet werden. Wenn ein Lenkrad mit Schaltwippen nachgerüstet wird, muß im Bereich des SAM ein Stecker umgesteckt werden, ansonsten funktionieren Hupe und Schaltwippen nicht. Dieser Stecker ist vom Lenkwinkelsensor unabhängig, der auch ohne Umstecken angelernt werden kann. Die Freischaltung der Schaltwippen funktioniert ebenfalls ohne Umstecken.

Anders als bei einem Schaltwippenlenkrad wird die Hupe bei einem Lenkrad ohne Wippen nicht über einen Mikroschalter betätigt, sondern über einen Masseschluss zum Lenkradkranz.

Schaltwippen und Hupe von Zwei- und Dreispeichenlenkrad unterscheiden sich in vielen kleinen Details und können nicht ohne Änderungen in das jeweils andere Lenkrad umgebaut werden.

Teilenummern

3-Speichen-Lenkrad (Hupenring silbergrau) R008772 V002
Brabus-Lenkrad C0017552 V001

Dieses Material basiert teilweise auf Artikeln aus dem SRB von Kurvenfan und Wawa, vielen Dank